Klein-Emil gibt noch den Tagesrhythmus für Katrin Wagner-Augustin vor

Nicht nur am Tage, sondern derzeit auch noch des nachts benötigt das elf Wochen alte Baby Emil die Fürsorge und Aufmerksamkeit seiner ihn liebevoll umsorgenden Mutti. Der putzmuntere und bislang prächtig entwickelte Sohn der Potsdamer Kanukönigin Katrin Wagner-Augustin hat immerhin seit seiner Geburt am 07. August bereits reichlich 2,6 Kilogramm zugelegt und bringt jetzt 6200 Gramm auf die Waage. Im gleichen Maße bemüht sich die mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin, das nach einem Jahr Paddelabstinenz verloren gegangene Wettkampfgewicht wieder zu erlangen. Natürlich hat sie sich auch während der Babypause durch Ausgleichsport wie Schwimmen fit gehalten. „Dennoch“, so gibt die erfolgreichste noch aktive deutsche Rennpaddlerin unumwunden zu, “habe ich mir in meiner Euphorie vor der Geburt meines Sohnes den Neueinstieg in das Trainings- und Wettkampfgeschehen leichter vorgestellt“. Das hatte sie erfahren müssen, als sie in der ersten Oktoberwoche erstmals wieder in ein Rennboot einstieg, um auf dem heimatlichen Zernsee in Richtung Werder und Baumgartenbrück zu fahren. „Auf jeden Fall kann ich noch paddeln, „ fühlte sich Katrin nach ihrer Ausfahrt bestätigt. „Allerdings muss ich wieder richtig fit werden und bestimmte Muskelgruppen wieder entsprechend aufbauen“, schätzt sie selbst ein.
Ihr ursprüngliches Ziel, in London 2012 bei den Olympischen Spielen aktiv dabei zu sein, hat die Athletin des KC Potsdam in keiner Phase aus den Augen verloren. Und sie hat den Ehrgeiz, das auch allein zu schaffen. Mitte Oktober hat sie begonnen, teilweise innerhalb ihrer Trainingsgruppe und auch manchmal zusammen mit den Canadierfahrern auf dem Wasser zu trainieren. Verständlicherweise kann sie jetzt noch kein volles Trainingspensum absolvieren. Der Tagesrhythmus wird noch wesentlich vom kleinen Emil vorgegeben. Das Krafttraining gehört, wenn auch mit größeren Pausen, bereits zum gewohnten Programm. Von dem Stufentest Ende Oktober im Strömungskanal erhofft sich Katrin Aufschluss über ihren Fitnesszustand und Auskunft darüber, in welchen Bereichen sie verstärkt arbeiten muss. Das ist für sie vor allem deshalb wichtig, weil sie erst ab Februar in der Lage sein wird, an einem zentralen Vorbereitungslehrgang teilzunehmen und bis dahin ihr Training individuell gestalten muss.
Bis zur ersten nationalen Sichtung Anfang April 2012 will die Potsdamer Erfolgspaddlerin den Trainingsrückstand auf die anderen Mitbewerberinnen für ein Olympiaticket aufgeholt haben, um sich in der Rangliste an vorderer Stelle platzieren zu können. Das wird kein leichtes Unterfangen, denn sie hat keine Bonuspunkte aus den Ergebnissen der Weltmeisterschaften 2011 vorzuweisen. Die WM 2011 in Szeged konnte Katrin nur am Fernseher verfolgen. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn ich habe festgestellt, dass es auch ohne mich geht“, gibt sie zu. Zur Einschätzung des erreichten eigenen Leistungsvermögens im Verlaufe der Vorbereitungsphase hat sie spätestens ab Februar/ März 2012 mit Nicole Reinhardt und Franziska Weber zwei Athletinnen der Potsdamer Trainingsgruppe im unmittelbaren Blickfeld.

Eingedenk der Tatsache, dass die 34-jährige Katrin Wagner-Augustin in ihrer sportlichen Entwicklung vom Olympiasieg bis zum Weltmeistertitel alles Erstrebenswerte bereits erreicht hat und sie sich selbst nichts mehr zu beweisen braucht, sollte sie sich trotz aller Angespanntheit in den Qualifizierungswettkämpfen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 eine positive Gelassenheit bewahren. Die derzeitige Situation auf der 500m-Strecke im Kajakbereich der Damen charakterisiert sie wie folgt: “Mit Franziska Weber/ Tina Dietze besteht ein Zweierboot, dem die Zukunft gehört. Hier möchte ich mich keineswegs reindrängen. Und im Einerkajak bestimmt derzeit Nicole Reinhardt das nationale Niveau. Also werde ich versuchen, mich in erster Linie für den Viererkajak zu qualifizieren. Jedoch nicht, um nur mitzupaddeln, sondern als echte Leistungsträgerin“.
Zu ihrer sportlichen Karriere nach Ablauf der Wettkampfsaison hat sich Katrin noch nicht festgelegt. Eines ist für sie jedoch klar: „Ich möchte noch ein Studium an der Trainerakademie in Köln absolvieren, um nach meiner aktiven Sportlerzeit als Trainerin tätig zu sein.“

Potsdam, 25.10.2011
Günter Welke

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