Winterfreuden und -training für Nachwuchskanuten in Österreich und Bayern
Der winterliche Aufenthalt in den schneebedeckten Alpen und im Bayrischen Wald hat in den Winterferien zu Jahresbeginn für die Potsdamer Nachwuchskanuten nunmehr schon eine gewisse - wenn auch noch nicht allzu lange - Tradition. Aber nicht allein der Spaß am Skifahren steht im Mittelpunkt der Ferientage, sondern damit eng verbunden ist die konditionelle Vorbereitung auf die bevorstehende Wettkampfsaison. Auch in der ersten Februarwoche dieses Jahres verweilte ein Großteil unserer jungen Kanusportler in den hochgelegenen Regionen Österreichs und Bayerns. In den frühen Morgenstunden des 31.ten Januars brach Trainerin Petra Welke mit vier ihrer Schützlinge vom Potsdamer Landesstützpunkt auf, um gemeinsam mit zahlreichen Nachwuchssportlern aus weiteren Kanuvereinen/ -abteilungen des Landes Brandenburg im österreichischen Leutasch für eine Woche Quartier zu beziehen. Wenige Stunden später machte sich Betreuer Wolfgang Lange in einem Kleinbus mit sieben Junioren- und U23-Sportlern des KC Potsdam mit gleichem Ziel auf den Weg.
Die jüngsten Potsdamer Kanuten fuhren indes unter Leitung ihres Trainers Joaquin Delgado Caballero und des Übungsleiters Fabian Kühn zwar auch zum Skifahren in die südliche Richtung aber sie wollten das verschneite Regen in Bayern aufsuchen.
Über das Erleben dieser Ferientage berichten an dieser Stelle einige der mitgereisten jungen Sportler. Günter Welke
Zunächst lassen wir die 18-jährige Henrica von Rauchhaupt vom KC Potsdam zu Wort kommen. Sie trainierte zusammen mit ihren Clubgefährten Henriette Jordan, Tom Siebeneicher, Kurt Kuschela, Stefan Kiraj, Christopher Rybarz und Jonas Markowski auf den Pisten rings um Leutasch
Des macht Gaudi
Henrica von Rauchhaupt
„Frisch und ausgeschlafen um 10.00 Uhr zum Frühstück, dann ab auf die Piste und um 12.00 Uhr zurück an den Mittagstisch, danach zum 2-stündigen Mittagsschläfchen und dann abermals zurück in den Schnee und ab zum feucht-fröhlichen „Àpres Ski“. So wird wahrscheinlich der Tagesablauf der Urlauber unseres Hotels „Reiterklause“ lauten, aber nicht bei den Kanuten des KC Potsdams, unter Vormundschaft von Wolfgang Lange, da beginnt der Tag um 07.00 Uhr. Frisch gestärkt und mit perfekt präpariertem Ski geht es für gute drei Stunden auf die Loipe. Den super Ski haben wir dank der alljährlichen, sehr ausführlichen Wachsschule durch den äußerst erfahrenen Herrn Lange, welcher nun auch schon im Langlaufgeschäft ein alter Hase ist. Aber nicht nur dem Wachsen ist er kundig, sondern auch der Technik des Skatens ist er ein großer Freund und Lehrer. Darüber freute sich besonders Tom Siebeneicher, der das erste Mal auf Langlaufski stand.
Unter ordentlicher Einweisung gelang es ihm nach wenigen Stunden, ohne in 3-minütigen Abstand den Schnee zu küssen, seinen Trainingspartnern zu folgen und auch dem Trainer etwas Konkurrenz zu leisten.
Aber nicht nur Tom zeigte dem Schnee seine Zuneigung, sondern auch alle anderen. Oft durch Eigenverschulden, z.B. durch das Übersehen der Langlaufloipe, wobei der spektakuläre Sturz nur durch die Bartbremse gestoppt werden konnte oder eben durch Fremdverschulden, z.B. wenn einer der anderen den Stock zwischen die Beine steckt. Aber keine Sorge, außer blauen Flecken, Prellungen und Gesichtsbremsen ist keinem etwas passiert, nicht einmal dem Material. Die Sportler hatten es mal wieder nicht leicht, schließlich mussten sie nach einem anstrengendem halbstündigen Mittagsschlaf wieder ab raus in die Kälte und 2 Stunden Kilometer schrubben, während dessen der Trainer am Rand steht und einen riesigen Schneemann baute (siehe Bild). Der Schneemann wurde dann, nunmehr unfreiwillig, Zeuge einer brutalen Schneeballschlacht unter den Sportlern, wobei mehr die Lachmuskeln beansprucht wurden als alles andere.
Am Mittwoch war Bergfest, welches wir aber nicht groß feierten, denn Henrica, Kurt und Kiri wurden von den Trainern der Brandenburger Nachwuchs-Kanuten, welche im gleichen Tal trainierten, zu einer Art Interview eingeladen. Dort erzählten sie den Grundschülern über ihren Weg zum KC Potsdam und von ihren Erfahrungen und Erfolgen und motivierten sie dazu, auch diesen Schritt zur Sportschule zu wagen.
Der große Trainingslagerwettkampf am Donnerstag spielte sich nicht nur auf der Loipe ab, sondern für 2 Sportler auch im Bett und auf der Schüssel. Die Wettkampfrunde betrug 6,6 km und gestartet wurde auf Wunsch im Massenstart. Sieger des langen und Kräfte zerrendem Wettkampfes wurde Kurt (4 Runden), gefolgt von Kiri, darauf folgten Justin Blum und Maximilian Müller, sowie Henrica (jeweils 3 Runden) dann Henriette und Schlusslicht Tom, mit jeweils 2 Runden.
Danach hatten wir den freien Nachmittag, der natürlich nicht komplett frei war, doch redlich verdient. Wir nutzen die Zeit und fuhren nach Seefeld, wo einst die Olympischen Spiele stattfanden. Da wir für den Lehrgang 2x Platz in der Turnhalle bekommen hatten, wurde in den freien Nachmittag noch ein lockeres Spielchen eingefügt.
Vom ersten Abend an wurde zu dem auch noch pausenlos gekickert. Dabei stellten wir Einzelturniere sowie Mannschaftswettkämpfe auf. Die Spitzenmannschaften sahen wie folgt aus: Kiri und Justin, Henni und Tom und vom Gastwirt die Sprösslinge Amelie & Wolfgang (von uns genannt Gandalf, damit es nicht zur Verwechslung kommt). Die Spiele waren alle aufs Neue hochgradig Nerven zerreißend spannend. Somit war größtenteils der Spaßfaktor auf höchster Stufe und niemand musste mit Tränen in den Augen in der Ecke hocken und sich mit Heimweh quälen.
Natürlich war nicht nur der Spaßfaktor, sondern vor allen Dingen auch der Trainingsumfang sehr hoch und da bekanntlich der Trainingseffekt deutlich höher ist, wenn der Spaß dem Umfang nahe kommt, hat sich die Woche für alle 8 Sportler doch deutlich gelohnt und wir blicken erwartungsvoll auf die kommende Saison.“
Die 14-jährige Sportschülerin Laura Heintz von der Kanuabteilung Blau Weiß Wusterwitz gehörte zur Trainingsgruppe von Petra Welke, die ebenfalls in Leutasch ihr Wintertrainingslager absolvierte. Hier berichtet Laura über ihre Erlebnisse:
Ein abwechslungsreiches und anstrengendes aber auch lustiges Trainingslager
Laura Heintz
„Bereits um 01.00 Uhr kam am Sonntag der Bus, mit dem wir in Potsdam zu unserer elfstündigen Fahrt in Richtung unseres Trainingslagers aufbrachen. Im verschneiten Leutasch angekommen, bezogen wir zunächst unsere Zimmer. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Mittagspause ging schon die erste Trainingseinheit auf Skiern los. Jede Trainingsgruppe fuhr etwa zwei Stunden und dann gab es bereits das Abendessen. Danach stand zwar keine Hausaufgabenstunde an, dafür veranstalteten wir aber einen Zimmerwettbewerb. Hier wurden im Ergebnis der Zimmerkontrolle Punkte von 0 bis 10 verteilt. Schließlich war für alle um 21.00 Uhr Nachtruhe, denn am nächsten Morgen ging es um 09.00 Uhr wieder auf die Piste.
An diesem Montag war es draußen eisigkalt und auch die Sonne lachte nicht so schön wie am Nachmittag des Vortages. Nach dem Mittag trainierten wir alle noch mal richtig hart, weil am nächsten Tag ein Wettkampf stattfinden sollte. Leider waren über Nacht viele von den Sportlern krank geworden und einige von ihnen mussten sich ständig übergeben. Trotzdem konnten die meisten den Wettkampf sehr gut meistern.
Mit Staffelwettkämpfen und weiteren Trainingseinheiten vergingen der Dienstag und Mittwoch schnell vorbei. Am späten Donnerstagnachmittag fand ein Skulpturenwettbewerb statt. Dabei sollten die Sportler versuchen, ihre Trainer möglichst naturgetreu in Schnee nachzubilden.
Am letzten Tag, dem Freitag, wurde noch ein Callenge-Wettkampf mit Biathloneinlage veranstaltet und am Abend fand eine kleine Abschlussfeier statt, bei der Sportler, die besondere Leistungen vollbracht hatten, gekürt wurden. Im Fackelschein und mit einem Becherchen Orangenpunsch - für die Erwachsenen gab es Glühwein - klang der Abend gemütlich aus.
Das Trainingslager war bei schönem Wetter, vielen Trainingseinheiten und Wettkämpfen sehr abwechslungsreich und lustig, aber auch anstrengend!“
Nachstehend einige Einblicke von Trainer Joaquin Delgado Caballero in das winterliche Trainingsgeschehen seiner Gruppe:
Unsere jüngeren Kanuten übten sich in Bayern im Umgang mit Skier und Gewehr
Joaquin Delgado Caballero
„Beste Wintersportbedingungen mit bis zu 30 cm Neuschnee fanden auch die 14 Sportlerinnen und Sportler aus der jüngeren Nachwuchsgarde des KC Potsdam im Bayerischen Wald vor. Etwa 20 Kilometer entfernt vom 1456 Meter hohen „Großer Arber“, der höchsten Erhebung der Region, waren sie im Sportcamp Raithmühle bei Regen untergebracht.
Mit ihrer Unterkunft waren sie ebenso zufrieden wie mit der Versorgung. Zudem brachten sie viele neue Eindrücke und nachhaltige Erlebnisse mit nach Hause und fanden selbst an den anstrengenden Langläufen auf Skiern Gefallen.
Bereits am dritten Tag unserer Ankunft in Regen hatten wir die Ausrichtung einer kleinen Sportolympiade zusammen mit Sportlern anderer Vereine, die ebenfalls im Sportcamp einquartiert waren, vereinbart. Auf dem Programm standen u. a. Fußball und leichtathletische Disziplinen. Obwohl jeder bemüht war, so gut als möglich anzuschneiden, hatten wir alle dennoch viel Spaß bei der ganzen Sache.
Auch die internen Wettkämpfe auf Skiern bestritten alle Potsdamer Nachwuchspaddler mit Feuereifer. Dementsprechend groß war die Freude bei denjenigen, die als Erste oder kurz danach die Ziellinie überquerten. Julia Dunkel (11 Jahre) vor Leonard Honermann (12 Jahre) und Pauline Rybarz (10 Jahre), so lautete die Reihenfolge beim Langlauf.
Eine besondere Überraschung hatten wir uns (Trainer Delgado und Übungsleiter Kühn) mit der Veranstaltung eines Biathlonwettkampfes ausgedacht. Die erforderlichen Laserwaffen wurden im Sportcamp ausgeliehen und die Schießanlage selbst in Eigenarbeit errichtet. Nach einem Tag Einweisung und Training mit den Lasergewehren wurde ein Tag darauf der Wettkampf voller Begeisterung und Erwartung gestartet. Wieder hatte Julia Dunkel das Glück der Tüchtigen und konnte sich als Biathlonsiegerin feiern lassen.
Ist das bereits ein gutes Zeichen für das Abschneiden in der bevorstehenden Paddelsaison?“