Verehrte Mitglieder des Kanuclubs Potsdam
und seines Fördervereins, liebe Kanufreunde,

der Countdown läuft! In weniger als vier Wochen lädt das tschechische Racice zum diesjährigen Saisonhöhepunkt. Für diese Weltmeisterschaften ist im KCP alles vorbereitet. Die Qualifikationsrennen sind gefahren, zuletzt die Europameisterschaften erfolgreich bestanden, die finalen Trainingspläne abgestimmt. Und natürlich startet die August-Kanuspitze mit diesem Thema.
Nach heutigem Stand werden vier Frauen und sieben Männer unseres Kanuclubs die Potsdamer Farben im Team des DKV vor den Toren Prags vertreten. Wer in welchen Bootsklassen über welche Distanzen genau antritt, hat für die Kanuspitze Günter Welke akribisch aufgelistet. Und der Nestor im Redaktionsteam hat auch das gute Omen für neue Erfolge Brandenburgischer Kanuten aus der ewigen WM-Chronik gefiltert…
Zur Einstimmung auf den WM-Monat August zeichnet Ronald Verch die Erfolgslinien der Generalprobe von Plovdiv nach und Micha Meyer hat sich nach dem heutigen Befinden einer – auch - vierfachen Ex-Weltmeisterin erkundigt. 
Und schließlich macht Sie diese Ausgabe in der Rubrik „Wirklich Kanu Spitze“ mit dem dauerhaften Engagement eines großen Brandenburger Energieunternehmens für den Kanusport bekannt. Aber lesen Sie dies und anderes selbst.

Viel Vergnügen mit der „Kanuspitze“ – Anregungen gern über info@kanuteamwork.de

„Sport frei“
Ihr KCP-Fördervereinsvorstand

Höhepunkte – Hoffnungen – Historie…

Racice 2017 – die Weltmeisterschaften im Nachbarland

Das deutsche Team peilt einen vorderen Platz in der Medaillenwertung an 

In wenigen Wochen ist es so weit.  Auf den Jahreshöhepunkt 2017 - die Weltmeisterschaften im Kanu-Rennsport vom 24.-27.08. in Racice/ Tschechien - haben die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler des Kanu-Clubs Potsdam sowohl ihr Trainingsprogramm als auch ihre persönlichen Belange, wie schulische und berufliche Ausbildung bis zur wohl verdienten nachfolgenden Erholungsphase, genau abgestimmt.

Betrachtet man den Auftritt bei den Europameisterschaften in Plovdiv als Generalprobe, können sicher alle in den WM-Kader des Deutschen Kanu Verbandes (DKV) berufenen Potsdamer Athleten mit dem Gefühl gut vorbereitet zu sein, die Reise nach Racice antreten. Zumal die Zeit zwischen den Europa- und den Weltmeisterschaften noch intensiv genutzt wird, um die Leistungsfähigkeit des Einzelnen und das Zusammenspiel in den Mannschaftsbooten weiter zu verbessern. Zahlenmäßig und namentlich sind keine wesentlichen Änderungen für das WM-Team des DKV gegenüber der Teilnahme an den Europameisterschaften zu erwarten. Alle elf Potsdamer EM-Teilnehmer werden auch in Racice dabei sein. Die Anzahl  leistungsstarker Konkurrenten im Kampf um WM-Titel und - Medaillen wird sich gegenüber der EM in Plovdiv durch Teilnehmer  aus Übersee (Amerika und Australien) und Asien  erhöhen. 

Wettkampf in Racice um 27 WM-Titel - die DKV-Auswahl startet in 25 Disziplinen 

Das Programm der Weltmeisterschaften ist ähnlich wie bei den kontinentalen Meisterschaften gestaltet. Insgesamt sind 27 Disziplinen ausgeschrieben, also bedeutend mehr als bei den Olympischen Spielen (12 Disziplinen). In Racice bestreiten die Damen 10 Endläufe, für die Herren sind 17 Finals vorgesehen.

Der DKV wird wahrscheinlich auf die Besetzung von zwei Disziplinen  verzichten. 

Elf Potsdamer Rennkanuten erhalten Startmöglichkeiten in bis zu 17 Disziplinen 

Vier weibliche und sieben männliche Rennkanuten des Kanu-Clubs Potsdam im OSC haben sich vorgenommen, in Racice die bisherige Bilanz von 75 WM-Titeln und weiteren 85 WM-Medaillen seit Vereinsgründung vor 54 Jahren weiter aufzustocken. Allerdings sind die Voraussetzungen dafür nicht in allen Potsdamer Startdisziplinen von vornherein gegeben.

Startaufgebot der Potsdamer Sportlerinnen 

Die Damen des KC Potsdam gehen mit je zwei Kajak- und Canadier-Fahrerinnen an den Start und werden voraussichtlich in sechs bis sieben Disziplinen vertreten sein.

Medaillenchancen dürften Olympiasiegerin Franziska Weber im K2 und K4 über 500 m ebenso eingeräumt werden wie Tabea Medert, die im K1 über 5000 m sowie im K2 über 1000 m dabei sein wird. Die Bootsbesatzungen vor allem aus Ungarn, Polen, Ukraine, Slowenien, Russland, Australien und Neuseeland müssen jedoch erst bezwungen werden.

Für die jungen Canadierdamen Ophelia Preller (C1 über 200 m; C2 über 500 m) und Annika Loske (C2 über 500 m) wäre bereits das Erreichen des Endlaufes ein bedeutender Erfolg.

Männliche Athleten des KC Potsdam in zehn Disziplinen dabei 

Mit Titel- und Medaillenhoffnungen werden auch einige der vier Kajak- und drei Candierfahrer des KC Potsdam  voraussichtlich zehn Wettkämpfe bestreiten. Allen voran der sich offensichtlich in bester Verfassung befindliche Olympiasieger Sebastian Brendel, der in drei Disziplinen (C1  über 1000 m und 5000 m; C4 über 1000 m) wie immer sein Bestes geben wird, sich jedoch im Einer auf der Mittelstrecke  starker Konkurrenten (Martin Fuksa/ Tschechien und Isaquias Queiroz Dos Santos/ Brasilien) erwehren muss. Vor Ehrgeiz sprüht zudem immer noch Olympiasieger Ronald Rauhe, der mit 35 Jahren als ältester Potsdamer WM-Teilnehmer sowohl im K2 über 200 m als auch im K4 über 500 m in die Medaillenränge gelangen will.

Olympiasieger Jan Vandrey hofft ebenso wie Stefan Kiraj, gemeinsam mit Sebastian Brendel im C4 über 1000 m den silbernen EM-Rang  von Plovdiv auch bei der WM verteidigen zu können.

Im Finale über 500 m  einen vorderen Rang zu belegen, haben sich Jan Vandrey im C1 und Stefan Kiraj im C2 als Ziel gesetzt. Das wird sicherlich nicht einfach werden, denn nicht nur die europäischen Kontrahenten, sondern auch die beiden Brasilianer Isaquias Queiroz Dos Santos und Erlon De Souza Silva werden etwas dagegen haben.

Das Erreichen des Finallaufes wäre für Timo Haseleu im K1 über 200 m gleichermaßen eine Bestätigung seiner kontinuierlichen Leistungssteigerung wie gemeinsam mit Vereinsgefährten Max Zaremba im K2 über 500 m.

Ein vorderer Rang im K4 über 1000 m in Racice wäre für Tamas Gescö die Bestätigung, dass der fünfte EM-Platz im gleichen Boot ein gewisser Ansporn für einen erfolgreichen WM-Auftritt darstellt.

Letzte Vorbereitungen auf WM in München 

Ab 08. August bestreitet das DKV - Team während eines  zweiwöchigen Trainingslagers in München die letzten Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaften. Zum Abschluss wird die endgültige  Besetzung vor allem der Mannschaftsboote feststehen. 

Gutes Omen 

Sowohl als gutes Omen und auch als zusätzlicher Ansporn sollte das sportliche Ereignis vom 27.07.1957 die Potsdamer WM-Teilnehmer bei ihrem Kampf um Medaillen beflügeln: Vor 60 Jahren gewann an diesem Tag der heutige 83-jährige Ehrenpräsident des Landes-Kanu-Verbandes Brandenburg  Manfred Schubert  in Augsburg den ersten von insgesamt sieben WM-Titeln und weiteren 12 WM-Medaillen innerhalb von 10 Wettkampfjahren im Kanu-Slalom. Damals noch als Angehöriger der Sportmannschaft des ASK Vorwärts Leipzig, die 1963 nach Potsdam verlegt wurde und den Grundstock für den heutigen Kanu-Club Potsdam bildete.

Als letzter Cheftrainer und Mannschaftsleiter der Rennkanuten beim ASK Vorwärts Potsdam meisterte Manfred Schubert im Jahre 1990 die schwierige Phase der Überführung in den neu gegründeten OSC Potsdam. Seinem großen Erfahrungsschatz aber vor auch allem seinem schier unerschöpflichen Enthusiasmus und  seiner vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten unterschiedlichster Ebenen ist es zu danken, dass sich der Kanu-Rennsport im Potsdamer Luftschiffhafen seit 1991 zu dem entwickelte, was er heute darstellt. 

Günter Welke

Die EM vor der WM - Plowdiw 2017

Starke Routiniers und aufstrebende Jungspunde - sieben Medaillen für Potsdamer Kanuten zu kontinentalen Titelkämpfen

© Ute Freise

Nach der Weltcupsaison von Mitte Mai bis Anfang Juli stand mit den Kanu-Europameisterschaften im bulgarischen Plowdiw vom 13.-16. Juli der letzte Meilenstein auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften 2017 auf dem Programm. Trotz der langfristigen Vorbereitung auf den Jahreshöhepunkt, welche zu dieser Zeit ein Grundlagentrainingslager und keine Wettkampfvorbereitung vorsah, gab es für unsere Athletinnen und Athleten reichlich Grund zum Jubeln. Mit insgesamt 3x Gold, 1x Silber und 3x Bronze und vielen hervorragenden Finalplatzierungen hatten die Potsdamer Kanuten einen großen Anteil an dem sehr guten Abschneiden des Deutschen Kanu-Verbandes. Gerade unsere erfahrenen Sportler Franziska Weber, Ronald Rauhe und Sebastian Brendel zeigten sich trotz der vielen Ausdauereinheiten der letzten Trainingswochen in bestechenden Form. So verteidigte Sebastian seinen Titel im Einercanadier über die 1000m aus dem letzten Jahr und gewann außerdem das 5000m-Rennen. Franzi schaffte es erstmals mit ihrer Leipziger Partnerin Tina Dietze auch den kontinentalen Titel im Zweierkajak über 500m zu gewinnen, nachdem beide bekanntlich auf dieser Strecke schon Olympia- und WM-Gold gewonnen haben. Ronny Rauhe gewann mit Max Lemke Bronze über 200m.

Nach den beiden Siegen bei den Weltcups ging Ronny auch mit großen Erwartungen in den Viererwettbewerb über die olympischen 500m. Durch den krankheitsbedingten Ausfall von Max Rendschmidt rückt Timo Haseleu kurzfristig in das Quartett mit Ronny, Tom Liebscher und Max Lemke. In der Kürze der Zeit war es für das Team schwierig, sich für einen Wettkampf auf diesem Niveau entsprechend aufeinander einzustellen, daher ist der fünfte Platz im Finale ein sehr gutes Ergebnis - auch wenn Ronny natürlich ursprünglich auf mehr gehofft hat. Timo avancierte dadurch zu einem regelrechten Vielstarter. Neben seinem 10. Platz im Einer über 200m konnte der Zweier mit Max Zaremba dann jedoch nicht mehr ganz die eigenen Erwartungen erfüllen und schaffte nicht die Qualifikation fürs A-Finale.

Jan Vandrey, Stefan Kiray und Basti Brendel konnten hingegen mit ihrem Viererrennen über 1000m gemeinsam mit dem Berliner Conrad Scheibener sehr zufrieden sein. In ihrem ersten internationalen Rennen in dem neu formierten Boot mussten sie sich nur der polnischen Mannschaft geschlagen geben und gewannen die Silbermedaille.

Aber nicht die erfahrenen Kräfte sondern auch Tabea Medert als Vertreterin der jungen Wilden wusste mit ihren Leistungen zu überzeugen. Sie gewann sowohl im Zweierkajak über 1000m gemeinsam mit Melanie Gebhardt (Leipzig) als auch im Einerkajak über 5000m die Bronzemedaille. Unsere anderen jungen Athletinnen und Athleten Annika Loske, Ophelia Preller und Tamas Gecso erreichten bei ihrer ersten kontinentalen Meisterschaft bei den Senioren ebenfalls die Qualifikation für das A-Finale und zeigten dort hervorragende Leistungen, welche uns optimistisch für die WM und die weitere Zukunft stimmen.

Wir gratulieren allen Sportlerinnen und Sportlern ganz herzlich zu den Medaillen und Ergebnissen und wünschen ihnen alles Gute auf dem weiteren Weg zur Weltmeisterschaft in Racice!

Ronald Verch

Alle Ergebnisse in der Übersicht

Gold

Sebastian Brendel im C1 1000m und C1 5000m
Franziska Weber im K2 500m mit Tina Dietze

Silber

Jan Vandrey, Stefan Kiraj und Sebastian Brendel im C4 1000m (gemeinsam mit Conrad Scheibner)

Bronze  

Ronald Rauhe im K2 über 200m gemeinsam mit Max Lemke
Tabea Medert (mit Melanie Gebhardt) im K2 1000m sowie im K1 über 5000m

Die weiteren Ergebnisse unserer Sportler

5. Platz:

  • Tamas Gecso im K4 1000m
  • Timo Haseleu und Ronald Rauhe im K4 500m
  • Franziska Weber im K4 500m

6. Platz:

  • Jan Vandrey im C1 500m

8. Platz:

  • Stefan Kiraj im C2 500m

9. Platz:

  • Ophelia Preller und Annika Loske im C2 500m
  • Tabea Medert im K1 500m

1. Platz im B-Finale:

  • Timo Haseleu im K1 200m

In der über 50-jährigen Erfolgsgeschichte des Kanu-Clubs Potsdam gab es viele Athletinnen und Athleten, die zu ihrer Zeit zur internationalen Paddel-Spitze zählten. Inzwischen ist es meist ruhiger um sie geworden. Da taucht schon mal die Frage auf, wie es ihnen heute geht. 

Was macht eigentlich … Manuela Mucke?

Das nennt man Entschleunigung. Einst liebte Manuela Mucke die Geschwindigkeit nicht nur, sie lebte sie. Im Kajak propellerte sie nur so über die Regattastrecken dieser Welt, mit den 98 Pferdestärken ihres Motorrad, einer Yamaha FZ6, flitzte sie über die Straßen Berlins und Brandenburgs. Mittlerweile geht Manuela Mucke-Lorenz ihr Leben deutlich ruhiger an. „Mit zwei Kindern kann man nicht mehr einfach mal so losdüsen“, sagt „Mucki", wie die heute 42-Jährige von ihren Freunden und in Kanu-Kreisen nur genannt wird. „Wir haben wegen unserer Zwillinge unsere Motorräder verkauft und sind auf Motorroller umgestiegen.“

Wir –  das sind die zweifache Viererkajak-Olympiasiegerin von Atlanta 1996 und Sydney 2000 sowie ihr zwei Jahre älterer Ehemann Ronny Lorenz, der als Jugendlicher ebenfalls paddelte und mit dem sie seit September 2010 verheiratet ist. Damals wählte sie den Doppelnamen, „weil ich den Namen Mucke so schön finde und nicht aufgeben wollte“, verrät „Mucki“. 

Die gemeinsamen Töchter Ronja und Finja werden jetzt sechs und kommen nach den Sommerferien zur Schule. Im Paddelboot saßen die beiden auch schon; zuletzt im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren Eltern im Urlaub in Norwegen. „Beide sind sportlich sehr interessiert, bislang aber weniger am Kanusport, mehr am Fußballspielen. Vor allem aber sind sie  begeisterte Schwimmerinnen“, erzählt die stolze Mama, die mit ihrer Familie nicht nur ganz in der Nähe des Potsdamer Luftschiffhafens wohnt, sondern durch Ronjas und Finjas Kinderschwimmen auch wöchentlich in diesem Sportareal weilt, in dem sie einst selbst täglich beim Training schwitzte. „Dadurch treffe ich immer noch ab und an alte Bekannte aus meiner sportlichen Vergangenheit“, so „Mucki“. 

Im Jahr 2000 wechselte Manuela Mucke vom SC Berlin-Grünau zum Kanu-Klub Potsdam. „Ich hatte ja schon seit 1994 wegen meiner Bundeswehr-Zugehörigkeit in Potsdam trainiert, und als mir mein alter Verein die Pistole auf die Brust setzte und verlangte, dass ich zweimal in der Woche auch in Berlin trainieren müsse, habe ich die Konsequenzen gezogen“, erinnert sie sich. Damals kam sie bereits als zweifache Olympiasiegerin an die Havel. Nachdem sie 1995 in Duisburg gemeinsam mit Birgit Fischer aus Brandenburg/Havel, Anett Schuck aus Leipzig und Ramona Portwich aus Rostock im Viererkajak den Weltmeistertitel über 500 sowie WM-Silber über 200 Meter gewonnen hatte, eroberte sich dieses Quartett im Jahr darauf in Atlanta auch Olympiagold über die längere Distanz. Ein Triumph, den „Mucki“ vier Jahre später mit Birgit Fischer, Anett Schuck und der Potsdamerin Katrin Wagner-Augustin wiederholen konnte. „Beide Medaillen sind mir gleich lieb, aber die erste ist eigentlich immer die schönste“, meint Manuela Mucke-Lorenz heute. Als Kind hatte sie in ihrer Geburtsstadt Lutherstadt Wittenberg im Schulsport „ein bisschen im Handball reingeschnuppert“, ehe sie nach dem Umzug ihrer Familie 1983 nach Berlin durch die zu DDR-Zeiten übliche Schulsichtung für den Kanusport entdeckt wurde. Und mit dem Paddel eine tolle Erfolgsgeschichte schrieb. 1991 wurde sie Junioren-Weltmeisterin im Einerkajak, bei den JWM zwei Jahre darauf sogar dreifache Gold-Gewinnern im K1, K2 und K4. Und bei Weltmeisterschaften der Leistungsklasse erkämpfe sie insgesamt vier Titel sowie neun weitere Medaillen. Zusammen unter anderem mit zwei Europameistertiteln und 54 Medaillen – darunter 37 goldenen – bei Deutschen Meisterschaften kam eine stolze Edelmetall-Sammlung zusammen. „An der Wand zu hängen habe ich meine Medaillen nicht“, verrät „Mucki“. „Sie sind alle in schönen Boxen gut verwahrt.“ 

Eigentlich wollte Manuela Mucke, die in Potsdam fast vier Jahre lang von Rolf-Dieter Amend und zuletzt von Wolfgang Lange beziehungsweise Detlef Hummelt trainiert wurde, 2004 zum dritten Mal um olympische Meriten kämpfen – doch daraus wurde nichts mehr. Der damalige Cheftrainer Josef Capousek bestimmte sie nur noch zur Ersatzfrau, die die Spiele in Athen so lediglich am Fernseher verfolgen konnte – und daraufhin dem Hochleistungssport ade sagte. Sie sei erfahren, erfolgreich und reif genug, „um mir bestimmte Dinge im Sport nicht mehr anzutun und mich nicht mehr tyrannisieren oder mobben zu lassen“, meinte sie damals gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten. Heute sagt „Mucki“ dazu: „Ich habe immer gedacht, Leistungssport gehe nach Leistung. Damals aber ging Leistungssport nach Nase. Mir wurde schon vor der ersten Sichtung erklärt, dass ich den Flieger nach Athen nicht besteigen würde – entsprechend groß war natürlich mein Frust.“ 

Der ist inzwischen natürlich der Freude am Leben jenseits des Quälend um Höchstleistungen gewichen. 2006 und 2007 nahm „Mucki“ noch mal an Drachenboot-Weltmeisterschaften teil, von denen sie ebenfalls mit Titeln heimkehrte. „Das war eine schöne Abwechslung“, erinnert sich Manuela Mucke-Lorenz, die als Leistungssportlerin nicht nur viele Erfolge feierte, sondern auch andere wesentliche Dinge vermittelt bekam. „Disziplin, Teamgeist, Verantwortung für andere und strukturiertes Leben helfen mir heute noch im Leben und im Beruf“, meint die berufstätige Mutter, die bei der Potsdamer Gewoba arbeitet, bei der sie noch während ihrer aktiven Zeit eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau begonnen hatte. „Ich verwalte hier den Wohnungsbestand in Potsdam-West und habe dadurch Kontakt zu vielen Sportlern, die in dieser Ecke wohnen“, freut sich „Mucki“, die auch immer noch Verbindung mit der vierfachen Olympiasiegerin und jetzigen Potsdamer Trainerin Katrin Wagner-Augustin hat, mit der sie einst täglich im Boot oder Kraftraum übte, viele Erfolge genoss und menschlich gut versteht. Mit dem KC Potsdam selbst habe sie nichts mehr zu tun, sagt sie. „Aber wenn Kanurennen im Fernsehen zu sehen sind, gucke ich natürlich zu.“

Ansonsten widmet sich „Mucki“ neben der Arbeit ihrer Familie, der Gartenarbeit in Schlänitzsee und ihrem neuen Hobby – der Fischwaid. „Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich auch gern mal angeln“, erzählt die einstige Spitzen-Paddlerin. In Ruhe die auf dem Wasser tanzende Pose beobachten – mehr Entschleunigung geht eigentlich nicht.  

Michael Meyer

wirklich Kanu Spitze !

…und ein gutes Signal vor der WM:
Kooperation zwischen der E.DIS und dem Kanu-Club Potsdam wird fortgeführt

Am Mittwoch, den 12. Juli gab es ein freudiges Ereignis für alle Potsdamer Kanuten. Die E.DIS und der Kanu-Club Potsdam setzten durch die Unterzeichnung der Sponsoringverträge die mittlerweile zwölfjährige erfolgreiche Kooperation fort. Dank dieser Kooperation können sich die Top-Athleten, aber auch der Kinder- und Jugendbereich des Vereins der Unterstützung der E.DIS sicher sein. Als Premium-Partner des Vereins wurde gleichzeitig die Unterstützung des diesjährigen Kanalsprints in einen weiteren Vertrag zugesichert.

Das E.DIS Vorstandsmitglied Dr. Andreas Reichel betonte während der Unterzeichnung die herausragende Bedeutung des Kanu-Clubs für den deutschen Kanusport. Nicht nur die Tatsache, dass der KCP mit elf Athletinnen und Athleten in der diesjährigen Nationalmannschaft vertreten ist, sondern gerade auch die erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit des Vereins stehen im Einklang mit der gesellschaftlichen Verantwortung, welche sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat. Dieses gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein möchte das Unternehmen mit der Unterstützung des Kanu-Clubs unterstreichen.

Der Vorsitzende des KCP-Fördervereins Andreas Neue dankte Dr. Reichel für die weitere Unterstützung des KC Potsdams durch die E.DIS im sportlichen Bereich aber auch bei der Durchführung des Kanalsprints, ohne die die Aufgaben in beiden Bereichen nur schwer so erfolgreich umzusetzen wären. Unsere beiden Olympiasiegerinnen  Conny Waßmuth als Vertreterin der Athletinnen und Athletin und Katrin Wagner-Augustin als Ehemalige und nun Trainerin im KCP bedankten sich ebenfalls für die jahrelange Unterstützung durch die E.DIS.

Nach einer kurzen Stärkung bei Kaffee und belegten Brötchen bestiegen Dr. Reichel, die beiden Olympiasiegerinnen sowie Jürgen Eschert, Torsten Gutsche sowie Andreas Gerlach einen Mannschaftscanadier um bei einer kurzen Ausfahrt auf dem Templiner See die weitere Zusammenarbeit symbolisch einzuläuten.

Ronald Verch

Im Porträt: Dr. Andreas Reichel – ein segelnder Kanufreund

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Das Wasser ist der Ursprung des Lebens und verbindet uns alle. So oder so ähnlich, wenn auch vielleicht nicht ganz so philosophisch, lässt sich die Verbindung von Dr. Andreas Reichel zum Potsdamer Kanusport beschreiben. Wassersportler ist der gebürtige Ostwestfale ja schließlich auch, wenn auch der Wind, der uns Kanuten doch das ein oder andere Mal sehr zu schaffen macht, ihn als Segler erst so richtig voran bringt. Letztlich ist er auch beim Segeln wie wir Kanuten eins mit der Natur und dem Wasser das ihn umgibt. Daher war es für ihn sicherlich auch keine schwere Entscheidung als Jürgen Eschert ihn und die heutige E.DIS AG einst für den Kanu-Club Potsdam gewinnen wollte. Zwölf Jahre hält die Partnerschaft zwischen dem ostdeutschen Strom- und Gasnetzbetreiber, zu Beginn unter dem Namen E.ON edis AG firmiert, nun schon an. Als Vorstandsmitglied der E.DIS AG (Bereich Personal) hat der gelernte Bankkaufmann und promovierte Jurist in Europarechtfragen des Bereichs Kultur leider nur wenig Zeit, die Gelegenheit zu ergreifen und selbst das Paddel in die Hand zu nehmen. Ergibt sie sich dann doch, wie jüngst zur Vertragsunterzeichnung letzten Monat so ist ihm die Freude deutlich anzusehen. Das Wasser verbindet eben doch.

Wir freuen uns in Andreas Reichel einen Freund des Kanusports gefunden zu haben und möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei ihm und der E.DIS AG für die jahrelange Unterstützung des Kanu-Clubs Potsdam und des Kanalsprints bedanken und hoffen, dass diese auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden kann.

Ronald Verch

7 Siege für Potsdamer Kanunachwuchs bei X. Baltic Sea Youth Games - Nachwuchs aus allen Teilen Europas traf sich in Brest

Bei den X. Baltic Sea Youth Games (BSYG) in Brest vom 07.-09. Juli waren  13- bis 17-jährige Nachwuchssportler aus zahlreichen europäischen Staaten in 16 Sportarten am Start. Darunter auch zehn junge Kanusportler/ -innen, die am Landesstützpunkt des KC Potsdam im Luftschiffhafen trainieren und ein Nachwuchspaddler vom WS PCK Schwedt. Betreut wurden die jungen Rennkanuten von der Lehrerin - Trainerin Petra Welke und dem Potsdamer Nachwuchstrainer Jirka Letzin. 

An- und Abreise durch Grenzkontrollen immens verlängert 

Die Anreise der Potsdamer Rennkanuten nach Brest erfolgte auf dem Landweg gemeinsam mit der Rudermannschaft  des Landes Brandenburg. Auch vor Ort nutzte man ausreichend die Gelegenheit des gegenseitigen besseren Kennenlernens von Kanuten und Ruderern.  Das half auch ein wenig, die gewöhnungsbedürftigen Kontrollen an der polnisch-weißrussischen Grenze ebenso mit einer gehörigen Portion Galgenhumor zu überstehen wie den Zustand der angebotenen Unterkünfte.  Die Organisation der Wettkämpfe stellte die Teilnehmer jedoch wieder voll zufrieden.           

Potsdamer Nachwuchskanuten in der Medaillenbilanz auf Platz zwei 

Mit dem Ergebnis der Potsdamer Nachwuchskanuten zeigten sich die begleitenden Trainer sichtlich zufrieden. Immerhin verbuchten ihre Schützlinge  bei den Rennen in den Einer- und Zweierbooten über 200 m, 500 m und 1000 m sieben Siege und gewannen zudem 13 weitere Silber- und Bronzemedaillen.

Damit belegten sie in der Medaillenbilanz den zweiten Rang hinter dem weißrussischen Team. Alle Potsdamer Goldmedaillen gingen auf das Konto der teilnehmenden weiblichen Paddeltalente. Herausragend dabei die Leistungen von Katharina Diederichs (Kajak) und Isabelle Zanin (Canadier), die beide jeweils drei Gold- und eine Silbermedaille erkämpften. Im Kampf gegen die sportlichen Konkurrentinnen überzeugte auch Janne Markowski (Kajak) mit ihren Leistungen, die ihr schließlich zwei Goldmedaillen einbrachten.

Zu den weiteren Medaillengewinnern gehörten Luisa Lingstädt, Cathy Eggert, Marie Florian, Isabell Franz, Maurice Dolezel, Bennet Weiß, Julius Köhle, 

Insgesamt ein starker Auftritt der jungen Potsdamer Kanusportler bei den Internationalen Jugendsportspielen in Brest, denn keiner der Sportschüler kehrte ohne Medaille zurück. 

Günter Welke

Das Team im Team

Unter dieser Überschrift wollen wir unsere Leser von Zeit zu Zeit mit den Trainingsstrukturen im KCP vertraut machen. Wir zeigen, wer, wo, wie oder mit wem den Nimbus des erfolgreichsten Kanu-Clubs der Welt nährt. Heute stellen wir Ihnen die Trainingsgruppe Paarmann vor…

Die Trainingsgruppe von Clemens Paarmann umfasst acht männliche Kajakfahrer, angefangen vom Schüler A - Bereich bis zur Altersgruppe der U23.  An den Qualifikationswettkämpfen zur Teilnahme an den Junioren-Weltmeisterschaften (JWM) waren vier Sportler beteiligt.

Bereits im Vorfeld der internationalen Meisterschaften warteten einige Sportler der Trainingsgruppe mit guten Leistungen auf. So  erzielten Ende Mai bei der internationalen Regatta in Piestany vor allem Martin Hiller mit drei Goldmedaillen sowie Jonas Schmitt und Leonard Busch mit einem Sieg im K4 über 500 m sehr  achtbare Resultate.

Mit Martin Hiller und Leonard Busch wurden letztlich zwei Sportler für die  Juniorenauswahl des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV)  zu den Weltmeisterschaften nominiert und Jonas Schmitt startete bei seinem Junioren-EM-Debüt im DKV-Trikot. Damit war bereits das Leistungsziel der Trainingsgruppe erfüllt. Alle drei Sportler befinden sich altersmäßig im ersten Juniorenjahr und haben demzufolge auch in der Saison 2018 eine weitere Chance auf einen JEM-/ JWM-Auftritt. 

Die JEM  vom 23.-26.06.2017 in Breslau waren die ersten internationalen Meisterschaften für Jonas Schmitt. Im Vorjahr konnte er bei den Olympic Hope Games erstmals international besetzte Wettkämpfe bestreiten. Der Kajakfahrer erhielt in Breslau zwei Startmöglichkeiten und war sicherlich erfreut, gleich zweimal im Finale dabei zu sein. Hier belegte er bei den Rennen über 1000 m im K4 einen fünften und im K2 einen sechsten Finalrang. 

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften vom 27. bis 30.07.  2017 in Bascov/ Rumänien werden Martin Hiller und Leonard Busch gemeinsam im K4 über 500 m starten. Bereits in der Saison 2016 nahmen beide an internationalen Junioren-Meisterschaften teil: Martin Hiller bei den JWM und Leonard Busch bei den JEM. Von ihrem Kajak-Vierer  in Bascov wird das Erreichen des Endlaufes erwartet und auch im Kampf um die Medaillen rechnet man sich durchaus berechtigte Chancen aus. 

Günter Welke

KC Potsdam bei 25. Landesschülerspielen in Schwedt am erfolgreichsten

An den Landesschülerspielen Kanu-Rennsport vom 08.-09. Juli in Schwedt beteiligten sich knapp 170 junge Sportlerinnen und Sportler  der Jahrgänge 2005 bis 2008. Vierzehn Brandenburger Kanuvereine/ -abteilungen waren mit ihren jüngsten Athleten  bei den Mehrkämpfen und Bootsrennen vertreten. Der Samstag blieb dem Mehrkampf vorbehalten. Dabei wurden nach Alter, Geschlecht und Bootsdisziplin unterteilt, 14 Einzelsieger gekürt. Zudem wurde für jeden Jahrgang eine Mannschaftswertung vorgenommen. 

KC Potsdam beim Mehrkampf ganz vorn

Allein sechs der Mehrkampftitel im Einzelwettbewerb konnte der Kanu-Club (KC)  Potsdam erringen, die Nachwuchspaddler der Kanuabteilung des SV Stahl Finow waren dreimal erfolgreich. Weitere vier Kanuvereine/-abteilungen sicherten sich die anderen fünf Goldmedaillen für den ersten Platz.

Bei den vier Mannschaftswertungen im Mehrkampf  hatten dreimal der KC Potsdam (Jahrgang 06, 07 und 08) und einmal Stahl Finow (Jahrgang 05) die meisten Punkte auf dem Konto. 

Bootsrennen nur über 200 m

Nach 37 Endläufen im Boot über 200 m stand am Sonntag fest, welche Kanuvereine/-abteilungen bei diesen Sprintrennen am erfolgreichsten waren. Die Paddeleleven von WS PCK Schwedt hatten hier in der Medaillenbilanz  mit 7 Siegen sowie 7 Silber- und 11 Bronzemedaillen eindeutig die Nase vorn. Es folgten Blau Weiß  Wusterwitz (6/ 4/ 0), Rathenower WSV Kanu (5/ 10/ 2) und SV Stahl Finow (5/ 1/ 8). Der KC Potsdam verzichtete auf den Start in mehreren Bootsrennen. 

Auch in der Gesamtbilanz bewies der KC Potsdam seine Leistungsstärke

In der Gesamtbilanz (Einzelwertung Mehrkampf und 200 m - Rennen) erwiesen sich die Mädchen und Jungen des KC Potsdam am leistungsstärksten. Sie verbuchten zehn Siege sowie weitere sechs Silber- und acht Bronzemedaillen auf ihrem Konto. Respektable Ergebnisse erzielte zudem der Kanunachwuchs von WS PCK Schwedt (8/ 9/ 12), Stahl Finow (8/ 2/ 10), Blau Weiß Wusterwitz (7/ 7/ 1) und Rathenower WS Kanu  5/ 13/ 2).

Mit drei Siegen und zwei weiteren Medaillen erwies sich Florin Bange (Jahrgang 05) als der Erfolgreichste innerhalb der Potsdamer Mannschaft. Jedoch auch die Doppelsieger Mika Francke (JG 06), Josephie Dreke (JG 07), Mio Kaiser (JG 06) und Ben Hanisch (JG 05)  warteten mit starken Leistungen auf. 

Günter Welke