Verehrte Mitglieder des Kanuclubs Potsdam
und seines Fördervereins, liebe Kanufreunde,

Dieser Winter hört scheinbar nie auf. Jetzt hat er sogar in einen obligatorischen Leistungstest des Kanunachwuchses eingegriffen. Die Jüngsten konnten auch nach dem kalendarischen Frühlingsanfang wegen der Kälte einfach nicht aufs Wasser am Luftschiffhafen.
Der Start in den Frühling 1963 muss meteorologisch ein deutlich besserer gewesen sein. Jedenfalls finden sich im Eschertschen Trainingstagebuch vom März jenes Jahres keine Klagen über Frost und Eis. KanuSpitzenAutor Micha Meyer hat die akribisch geführte Chronik jetzt aus historischem Grund  gelesen - und der Nestor unserer Berichterstattung, Günter Welke, zeichnet aus gleichem Anlass kundig die weiteren Schritte in Potsdam nach. Denn zum Frühlingsanfang vor exakt 55 Jahren begann die äußerst erfolgreiche Geschichte des Kanurennsports im Luftschiffhafen. Per Ministerbefehl übrigens – na klar, alles andere wäre damals nicht so gegangen - kam der Kanurennsport vom „stinkenden Fluss ins Havel-Paradies“. Und feierte ein Jahr später durch den heutigen Ehrenpräsidenten des KCP-Fördervereins, Dr. Jürgen Eschert, den ersten Olympiatriumph.

Nach Rückkehr aus Tokio fand die damalige Olympiaparty 1964 übrigens im heute brach liegenden Regattahaus statt. Welch eine Vision, wenn dort auch die Olympiaparty 2020 stattfinden könnte. Aber lesen Sie selbst… wie auch den Premierenbeitrag von Annika Loske. Die Trainingseindrücke aus Florida unserer Canadierhoffnung für Tokio 2020, knüpfen schon im ersten Versuch an das traditionelle Bootsgeflüster-Niveau von Ronald Verch an.

Last but not least: Bei den permanenten Minusgraden in der Nacht ist es schon ein komisches Gefühl, ans Anpaddeln zu denken. Das aber tun wir im Förderverein ganz konkret. Punkt 10 Uhr wollen wir uns am zweiten Aprilsonntag an den Bootshallen treffen. Halb 11 paddeln wir dann gemeinsam mit möglichst vielen Kanufreunden in die Havelbucht, wo Oberbürgermeister Jann Jakobs zum letzten Mal in seiner 16jährigen Amtszeit die Kanusaison eröffnet. Danach geht’s zurück zum gemütlichen Beisammensein vor und in der Kanuscheune.  

Also: Wir sehen uns am 8. April im Luftschiffhafen – bei dann endlich besserem Wetter!

 

Viel Vergnügen mit der „Kanuspitze“ – Anregungen gern über info@kanuteamwork.de

„Sport frei“

Ihr KCP-Fördervereinsvorstand

Vom stinkenden Fluss ins Havel-Paradies

Vor exakt 55 Jahren wechselten die ASK-Kanuten von Leipzig nach Potsdam, wo sie bald darauf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zu schreiben begannen. Heute ist der Kanu Club Potsdam im Olympischen Sportclub Potsdam der erfolgreichste Kanuverein der Welt. Allein bei den Weltmeisterschaften des vergangenen Jahres 2017 gewannen unsere Sportlerinnen und Sportler insgesamt 9 Medaillen, davon vier Goldene.

Der Start in die Erfolgsgeschichte der Rennkanuten im Potsdamer Luftschiffhafen ist genau dokumentiert. „9 - 10.00 CI gefahren 7 km, nachm. Sachen verpackt für Umzug“ heißt es für den 21. März 1963, und: „früh Umzug nach Potsdam, nachm. Zimmer einrichten, 17. - 18.30 Fußball gespielt“ für den folgenden 22. März. Zu finden sind diese Einträge auf den Seiten 111 und 112 des Trainingstagebuchs, das Potsdams erster Olympiasieger Jürgen Eschert vom 1. Januar 1962 bis zum 30. September 1963 – dann ging es ins Trainingslager nach Plovdiv – akribisch führte. Eschert bewahrt die alte, graue DDR-Klemmmappe mit den täglichen Übungsaktivitäten ebenso wie seine anderen Trainingsbücher aus seiner aktiven Zeit immer noch daheim in einem Schrank auf – und weiß mit lebhaften Worten zu erzählen, wie damals alles an der Havel begann. „Wir sind am 22. März vormittags auf einem Lkw, an dem der Hänger mit unseren Booten und Trainingsmaterial hing, von Leipzig nach Potsdam umgezogen. Als Armeeangehörige hatten wir unser Sturmgepäck und unsere Sportsachen dabei, mehr gab es ja nicht zu transportieren“, so der heute 76-Jährige. „Hier haben wir uns ganz oben im Turm des alten Regattahauses ein bisschen eingerichtet, dann noch Fußball gespielt und später bei Minusgraden mit Wolldecken auf Feldbetten geschlafen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, war schönes Wetter. Wir haben auf das Wasser geschaut – und fühlten uns wie im Paradies.“

Um das zu verstehen, muss man sich von Jürgen Eschert schildern lassen, unter welchen Bedingungen die ASK-Paddler bis dahin in Leipzig trainierten. 1959 hatte der damalige Cheftrainer Helmut Setzkorn – Vater der späteren Potsdamer WM-Medaillengewinnerin Petra Setzkorn –  begonnen, beim Armeesportklub Vorwärts Leipzig innerhalb der Slalom- und Wildwasser-Mannschaft auch Rennkanuten zu etablieren. Dazu holte er Gerhard Mohs, Gerhard Mieske und Peter Haase aus Bitterfeld an die Pleiße. Im Juni 1960 wechselte auch Eschert gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Günter Malinowski aus seiner Heimatstadt Magdeburg von Motor Südost nach Leipzig, im Herbst des gleichen Jahres wurden die inzwischen 15 Rennkanuten eine eigene Sportmannschaft des ASK. Sie bekamen mit Helmut Hörentrupp und Helmut Zänsler, dem späteren DDR-Verbandscoach, auch eigene Trainer sowie mit Peter Schüssler einen eigenen Mannschaftsleiter. „Wir waren jetzt eigenständig, hatten in Leipzig aber denkbar schlechte Trainingsbedingungen“, erinnert sich Jürgen Eschert. „Die Pleiße, auf der wir paddelten, war ein dreckiger und stinkender Fluss, in dem sich die Ratten tummelten, auf dem oft Schaum trieb und der vor lauter Chemie im Winter nicht zufror. Wenn wir dort trainierten, hatten wir hinterher oft klebrige Finger.“ Daher fuhren die Kanuten zum Üben meist von einem Trainingslager ins nächste; nach Kriebstein, Freital, Hohenwarte, Bernburg oder Berlin-Grünau. Und als Krafttraining standen unter anderem Treppenläufe im Leipziger Zentralstadion und Stangenklettern auf dem Übungsprogramm.

Trotz widriger Umstände stellten sich schnell erste sportliche Erfolge ein, gewann beispielsweise Eschert 1960 in seinem ersten Männer-Jahr bei den DDR-Meisterschaften auf Anhieb Bronze im Einercanadier über 10 000 Meter. Im Jahr darauf war der ASK Leipzig mit fünf Rennkanuten bei den Europameisterschaften in Poznan vertreten; Medaillen gewannen sie dabei nicht. „1962 hatten wir als ASK im Canadierbereich die Vormachtstellung in der DDR erobert“, weiß Eschert noch. „Leider fielen damals die Weltmeisterschaften in Essen aus, da man uns dort nicht mit eigener Flagge starten lassen wollte und die sozialistischen Länder daraufhin die WM boykottierten.“ Obwohl sportlich also auf einem guten Weg, waren die Leipziger Rennkanuten unzufrieden. „Wegen der schlechten Trainingsbedingungen wollten wir weg“, berichtet der heutige Ehrenvorsitzende des KC-Potsdam-Fördervereins. Als Alternativen gab es  Berlin-Grünau, wo die Armeesportvereinigung ein eigenes Bootshaus hatte, Rostock, wo schon die ASK-Ruderer beheimatet waren, und Potsdam, wo der ASK am Wasser lag. Per Ministerentscheid fiel die Entscheidung schließlich zugunsten Potsdams, von wo im Gegenzug die Motocrossfahrer nach Leipzig wechselten.

An der Havel blühten die Rennkanuten, regelrecht auf. „Wir haben im Regattahaus oben geschlafen, wurden unten verpflegt und hatten gleich nebenan unsere Boote. Da es damals auf dem Templiner See kaum Schiffsverkehr gab, hatten wir auch tolle Wasserbedingungen, und Trainingsumfänge von bis zu 25 Kilometern wie hier waren vorher in Leipzig undenkbar gewesen“, so Jürgen Eschert, der damals von Helmut Zänsler trainiert wurde. „Natürlich war nicht gleich alles optimal. Krafträume und Bedingungen für Leistungsdiagnostik wie heute gab es damals noch nicht. Wir haben zunächst in einer Baracke mit Hanteln Kraft trainiert und auch sonst manches improvisiert. Aber wir sind hier schnell heimisch geworden.“

Nach dem Umzug von der Pleiße an die Havel schafften es sieben ASK-Kanuten in die Nationalmannschaft für die Weltmeistschaften 1963 im jugoslawischen Jajce. Eschert wurde dort im C1 über 10 000 Meter Sechster, um kurz darauf bei einer großen internationalen Regatta in Rostock mit allen WM-Medaillengewinnern im Soloboot über 1000 Meter die gesamte Weltspitze hinter sich zu lassen. „Nach diesem Erfolg habe ich dann bis Tokio kein Rennen mehr verloren“, sagt der Potsdamer, der bei seinem Olympiasieg 1964 in Japans Hauptstadt vor dem Rumänen Andrei Igorov und Jewgei Penjajew aus der Sowjetunion gewann. Mit diesem Triumph und Bronze im C I über 1000 Meter ein Jahr später bei den Europameisterschaften in Bukarest steht Jürgen Eschert am Beginn einer Potsdamer Kanu-Erfolgsgeschichte, die in den folgenden Jahrzehnten von vielen Paddlern des ASK und später des KC Potsdam weitergeschrieben wurde.

Michael Meyer

55 Jahre Kanu-Rennsport im Potsdamer Luftschiffhafen - Einzigartige Bilanz von 19 Olympiasiegen und 79 WM-Titeln

Seit 1963 ist der (heutige) Kanu-Club Potsdam im OSC mit seinen Kanurennsportlern im Potsdamer Luftschiffhafen ansässig. In diesem Zeitraum entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Teams auf Vereinsbasis. Das verdeutlichen u.a. die in fünfeinhalb Jahrzehnten von 15 Potsdamer Sportlern/-innen erzielten 19 Olympiasiege sowie die durch 24 Athleten/-innen der Brandenburger Landeshauptstadt erkämpften 79 Weltmeistertitel

Die Deutschland- und weltweit kaum wiederzufindende nationale und internationale Leistungsstärke beruht vor allem auf dem Vorhandensein eines optimalen Trainingsumfeldes, einschließlich eines außerordentlich kompetenten und engagierten Trainerteams. Ein Übriges bewirkten  die effektive Nachwuchsarbeit  im engen Zusammenwirken mit der Potsdamer Sportschule sowie die Förderung durch die für den Sport zuständigen Institutionen und einen breit gefächerten Unterstützerkreis. Nicht zu vergessen jedoch: Auch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Freunde des Kanusports beförderte wesentlich die Entwicklung des Kanusports  auf dem Gelände des heutigen Sportparks Luftschiffhafen.

Die ersten olympischen Goldmedaillen für den KC Potsdam gewannen 1964 in Tokio Jürgen Eschert bei den Männern und bei den Frauen  Birgit Fischer (Schmidt) 1980 in Moskau. Die ersten Weltmeistertitel für den KC Potsdam holten bei den Männern 1971 in Belgrad Rainer Kurth und bei den Frauen 1973 in Tampere Petra Borzym (Grabowski).

Kritische Situation für den Potsdamer Kanu-Rennsport in den ersten Jahren nach 1990

Bis 1990 waren die Kanusportler aus dem Luftschiffhafen in der Mannschaft Kanu-Rennsport des ASK Vorwärts Potsdam integriert. Am 27.September 1990 wurde der Armeesportklub (ASK) Potsdam aufgelöst und in den neu gegründeten Olympischen Sportclub (OSC) Potsdam Luftschiffhafen e.V. überführt. Der in den letzten Jahren vor 1990 als Cheftrainer und Mannschaftsleiter Kanu-Rennsport fungierende Manfred Schubert übernahm nunmehr die Funktion des Leiters der Abteilung Kanu im OSC Potsdam.

Dem § 15 (4) der Satzung des neu gebildeten OSC Potsdam zufolge gliederten die jeweiligen Abteilungen ihren Sportbetrieb nunmehr  in Wettkampf-, Breiten und Nachwuchssport. Daraus ergab sich auch für die Abteilung Kanu ein breiteres Spektrum der sportlichen Betätigung, als es zuvor der Mannschaft Kanu-Rennsport des ASK eigen war. In der Folgezeit etablierten sich  in der Kanuabteilung zeitweilig Kanu-Wandersport, Kanu-Polo und Kanu-Drachenbootsport.

In den Anfangsjahren der Neuformierung war die leistungssportliche Entwicklung des Potsdamer Kanu-Rennsports  vor allem durch Trainerentlassungen und fehlende Unterstützung der Athleten bedroht. Somit wechselten nicht nur Spitzenathleten, sondern auch hoffnungsvolle Nachwuchstalente in andere Vereine, die ihnen eine berufliche Perspektive in Aussicht stellten.

Jene Misere spiegelte sich letztendlich auch in den Ergebnissen bei den Welt- und Deutschen Meisterschaften im ersten Wettkampfjahr nach Neugründung der Abteilung Kanu im OSC Potsdam wider. So erfreulich wie der zweite Platz in der Vereinswertung bei den ersten gemeinsamen Deutschen Meisterschaften 1991 in Hamburg auf den ersten Blick aussah, tat das den Potsdamern doch etwas weh. Denn allein sechs der Meistertitel für andere Vereine wurden von Sportlern errungen, die noch Wochen zuvor für den OSC Potsdam paddelten. Demzufolge waren auch unter den A-Kadern des Deutschen Kanu-Verbandes für 1992 auch  keine OSC- Rennkanuten, dagegen jedoch fünf ehemalige Potsdamer Athleten,  zu finden.

Dennoch gab man sich im Luftschiffhafen nicht auf. Es ist vor allem solch engagierten Sportfreunden wie Manfred Schubert als Abteilungsleiter Kanu und gleichzeitig Vizepräsident des Landes-Kanu-Verbandes Brandenburg, Rolf-Dieter Amend als Bundestrainer im Bundesstützpunkt und Ralph Welke als Trainer und Leiter des Landesstützpunktes Potsdam zu verdanken, dass in den Anfangsjahren der Neuformierung die Grundlagen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des leistungsorientierten Kanu-Rennsports im Potsdamer Luftschiffhafens geschaffen wurden. Einerseits ging es darum, finanzkräftige Sponsoren für die Unterstützung der Athleten und zur Beschaffung der Sportausrüstung zu finden. Andererseits galt es, das intakte Umfeld (Trainingsstätten, Olympiastützpunkt, Sportschule, Fördergruppe der Bundeswehr) optimal zu nutzen, um den Nachwuchs an die Leistungsspitze heranzuführen.

Umbruchstimmung und Benennung als „Kanu-Club Potsdam im OSC“ ab 1992

Rund zwei Jahre  nahm die Umstrukturierung in Anspruch, bevor die Rennkanuten aus dem Potsdamer Luftschiffhafen ab 1992 wieder zur bisherigen Leistungsstärke zurückfanden und diese kontinuierlich ausbauten. Gekennzeichnet war die Umbruchstimmung auch dadurch, dass mit  Birgit Schmidt (Fischer) eine bisherige Ausnahmesportlerin nach vierjähriger Wettkampfpause wieder zum Paddel griff, um sich der Herausforderung einer erneuten Olympiateilnahme zu stellen. Auch das  erfolgreiche Kajak-Duo Kay Bluhm / Torsten Gutsche kehrte nach einem Vereinswechsel in Richtung Berlin wieder zurück  in den Potsdamer Luftschiffhafen.

Die sichtbar gewordenen Erfolge bei der Umgestaltung des Kanuleistungssports in Potsdam wurden darüber hinaus durch Bestätigung des Olympiastützpunktes und Landesstützpunktes in Trägerschaft des Kanu-Club Potsdam im März gleichen Jahres anerkannt.

Im rechtlichen Sinne stellt der KC Potsdam keinen eigenständigen und  im Amtsregister eingetragenen Verein dar, sondern ist als Kanu-Abteilung im Olympischen Sportclub Potsdam Luftschiffhafen e.V. beheimatet. Die Bezeichnung „Kanu-Club Potsdam im OSC“ hat seit der Fusion der Potsdamer Kanuabteilung mit dem Kanu-Nachwuchszentrum der SG Geltow am 26. Februar 1992 Gültigkeit. Im Kanu-Trainingszentrum Geltow hatte übrigens auch  die spätere Olympiasiegerin und Weltmeisterin Katrin Wagner-Augustin das Kanufahren erlernt.

Förderverein für den KC Potsdam gewährt umfangreiche Unterstützung

Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Leistungsentwicklung leistete der von Dr. Jürgen Eschert und Dr. Jürgen Linde am 16. Dezember 1996 ins Leben gerufene Förderkreis für den Kanu-Rennsport des KC Potsdam, der im Februar 2001 in den Förderverein umgewandelt wurde. Dem Kanu-Rennsport wurde jetzt eine größere finanzielle Unterstützung gewährt. Aber auch die Förderung des Breitensports und die Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Geschehen des Kanusports war ein Anliegen des Fördervereins. Hier sei nur an die 1997 erstmals in Potsdam veranstalteten und jährlich wiederholten Wasserspiele erinnert, die nicht nur wegen der Teilnahme zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Institutionen und Schulen ein großes Echo bei der Bevölkerung fanden. Die Zahl derer, die sich aktiv an den Wasserspielen beteiligen wollten, wuchs von Jahr zu Jahr. Auch der vom Förderverein initiierte und nunmehr schon zur Tradition gewordene jährliche Sprintwettkampf der Weltelite auf dem Stadtkanal konnte stets auf eine große Anzahl von Zuschauern verweisen. Nicht zu vergessen, dass mit dem Aufbau und der Inbetriebnahme der „Kanuscheune“ den Mitgliedern des KC Potsdam und seines Fördervereins eine treffliche Möglichkeit geschaffen wurde, das Vereinsleben noch vielfältiger und enger zu gestalten.

Anerkannte und  engagierte Nachwuchsarbeit sicherte dauerhafte Erfolge

Auf eine kontinuierliche Gewinnung und Heranbildung von Nachwuchsportlern/-innen wurde seit Anbeginn der Existenz des Kau-Rennsports im Potsdamer Luftschiffhafen großer Wert gelegt. Das wird belegt durch das enge Zusammenwirken mit den anderen Brandenburger Kanu-Trainingszentren und jetzigen Landesstützpunkten, mit der Sportschule Friedrich Ludwig Jahn und mit den Grundschulen im Einzugsbereich.

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Erfolge der  intensiven  Arbeit im Kinder- und Jugendbereich sichtbar. So  holten die Schüler der Kinder- und Jugendsportschule Birgit Fischer und Peter Hempel schon 1978 und 1979 ihre ersten Weltmeisterschaftsmedaillen im Leistungsklassenbereich, und bei den Junioren-Europameisterschaften 1979 erkämpften Petra Brack und Kerstin Richter einen Meistertitel. Nur ein Jahr später holten Birgit Fischer und Uwe Madeja bei den Olympischen Spielen in Moskau eine Gold- bzw. Silbermedaille.

Bei den ersten Junioren-Weltmeisterschaften (JWM) 1985 gewann Torsten Gutsche zwei Goldmedaillen. Und vier Jahre später gewannen die Potsdamer Nachwuchskanuten sogar sechs Titel bei den JWM. Ein Ergebnis, das bislang einmalig in der Vereinsgeschichte ist. Insgesamt kann der KC Potsdam bislang auf den Gewinn von 24 JWM-Titel durch 18 SportlerInnen sowie weitere 36 JWM-Medaillen verweisen.

Aber auch bei solchen Wettkämpfen wie dem vom Deutschen Kanu-Verband ausgeschriebenen Nationalmannschaftscup der Jugend oder den Olympic Hope Games mit den weltbesten 15- bis 17-jährigen Nachwuchskanuten waren die Potsdamer Paddeltalente stets mit vorn dabei. Gleiches gilt für die Teilnahme an den regionalen und nationalen Meisterschaften.

Die Wertschätzung der ergebnisorientierten Nachwuchsarbeit im Verein kommt nicht zuletzt in der bisher dreimaligen Auszeichnung durch den Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank mit dem „Grünen Band“ für vorbildliche Talentförderung im Verein zum Ausdruck.

Auszeichnungen als Brandenburger Sportler des Jahres

Ohne Unterbrechung erfolgte seit 1992  die  Umfrage im Land Brandenburg nach den Sportlern des Jahres, unterteilt nach den Kategorien Frauen, Männer und Mannschaften.

Bei den Frauen wurde dreizehnmal eine Sportlerin des KC Potsdam an die erste Stelle gesetzt, davon allein sechsmal die Kajakfahrerin Franziska Weber. Fünfmal standen bei den Männern als Sportler des Jahres fest. Alle fünf Auszeichnungen gingen an Sebastian Brendel. Auch bei den Mannschaften landete der KC Potsdam fünfmal ganz vorn und zweimal davon war Sebastian Brendel mit Jan Vandrey unter den Ausgezeichneten.

 

Günter Welke.

…psssst…Bootsgeflüster...

Ex-Weltmeister Ronald Verch schreibt über das, was sich hinter den Kulissen des erfolgreichsten Kanuclubs der Welt ereignet oder besprochen wird.

Sebastian Brendel hatte allen Grund zur Freude. Nicht nur, dass er am 12. März seinen 30. Geburtstag beging, nein, er konnte dieses Jubiläum auch Zuhause in Potsdam mit Familie und Freunden feiern. „Sonst sind wir zu dieser Zeit immer schon im italienischen Sabaudia und bereiten uns auf die neue Saison vor“, berichtet Basti. „Daher freue ich mich umso mehr, dass ich zu meinem runden Geburtstag Zuhause bei meiner Familie bin und mit ihr und meinen Freunden feiern kann.“

Und so kam es, dass der gebürtige Schwedter am gleichen Abend in die Kanuscheune geladen hatte, um mit allen anzustoßen. Aber Basti wäre nicht Basti, wenn ihn bei der Gelegenheit nicht auch der Ehrgeiz packen würde,  seinen Gästen etwas Besonderes zu präsentieren. „Ich habe mir von einem Kumpel einen richtigen BBQ-Smoker ausgeliehen, um damit ein herzhaftes Pulled-Pork zu servieren.“ Und damit es perfekt wird, wurde vorher schon mal geübt. „So ein Pulled-Pork dauert ja gute 18 Stunden, da habe ich bereits am Samstag einen Versuch gewagt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so kompliziert ist“, berichtet der Canadierspezialist respektvoll von seiner Aufgabe. „Gerade die Temperatur konstant zu halten, war die größte Herausforderung, ich stand alle 20 Minuten am Grill“.

Aber die Mühen und Anstrengungen haben sich gelohnt, so dass ein dann doch leicht erschöpfter Jubilar seinen Gästen ein köstlich, saftigen Gaumenschmaus servieren konnte. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, aber ob ich das so schnell nochmal mache, weiß ich momentan noch nicht.“ Geschmeckt hat es jedenfalls allen.

Garanten des Erfolgs

Mit dieser Artikelfolge will die Kanu-Spitze das Bedingungsgefüge des sportlichen Erfolgs unserer Kanuten weiter aufspüren. Neben dem privaten Engagement der Mitglieder unseres Fördervereins, die wir in der Rubrik „WirklichKanuSpitze“ vorstellen, zählen das Stellen-Programm der Landesregierung ebenso dazu wie die Aktivitäten von Stadt und Bund. Heute blicken wir erneut auf den Kreis der „Förderer in Uniform“

Teil 2: Die Sportfördergruppe der Bundeswehr

Um den Leistungssport in der alten Bundesrepublik voran zu bringen, wurden im Jahre 1971 - aus einer Bundestagsinitiative im Mai 1968 heraus - die Sportfördergruppen der Bundeswehr gegründet. In aktuell 15 Sportfördergruppen werden derzeit 744 Spitzensportlerinnen und Spitzensportler (243 Frauen, 501 Männer; einschließlich Trainer) aus den olympischen und nichtolympischen Sportarten gefördert. Somit ist das Bundesministerium der Verteidigung einer der größten Förderer des Leistungssports in Deutschland.

Auch viele unserer Spitzenathleten sind oder waren SportsoldatenInnen bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Während Ronny Rauhe, Tabea Medert, Annika Loske und Fabian Dittrich aktuell ihren Dienst am Sportgerät verrichten, waren Conny Waßmuth, Sebastian Brendel und Stefan Kiraj einst ebenfalls SportsoldatenInnen und konnten sich dank der Förderung der Bundeswehr voll und ganz auf das Training konzentrieren. Katrin Wagner-Augustin ist mittlerweile sogar Berufssoldatin und betreut nun, nach ihrer aktiven Karriere, als Trainerin bei der Bundeswehr einige AthletInnen in Potsdam.

Aber wie sieht die Karriere eines Sportsoldaten eigentlich aus? Klar ist, der Sport steht im Fokus, das Militärische soll aber nicht außen vor bleiben, schließlich ist man ja Soldat. Daher absolvieren alle SportsoldatInnen zu Beginn die Allgemeine Grundausbildung (AGA), wobei diese für die Spitzensportler auf sechs Wochen verkürzt ist. Hierbei werden ihnen die Grundfertigkeiten eines Soldaten beigebracht und die Sportler bekommen einen Einblick in das täglich Brot der Soldaten, wie uns Annika Loske in der Novemberausgabe der Kanuspitze eindrucksvoll berichtet. Nach bestandener AGA werden die Kanuten in die Sportfördergruppe Frankfurt/Oder versetzt und dienen dort unter der Leitung von  Oberstabsfeldwebel Markus Steinke. Trainiert wird aber natürlich auf der Potsdamer Havel, nach Frankfurt an die Oder geht es nur zu administrativen Zwecken. Nach Ende der Saison werden Laufbahnlehrgänge an der Sportschule der Bundeswehr im niedersächsischen Warendorf oder an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover besucht, um die Grundlage für den weiteren Aufstieg bis in den Rang eines Oberfeldwebels zu legen.

Um nicht gegenüber anderen Sportförderungen wie z.B. der Bundespolizei (siehe KanuSpitze vom 28. Februar) oder der Feuerwehr an Attraktivität zu verlieren, bietet die Bundeswehr seit einigen Jahren auch die Möglichkeit einer dualen Karriere. Schwerpunkt ist zunächst das ungestörte Training zum erfolgreichen Absolvieren von Wettkämpfen, jedoch bietet die Bundeswehr die Möglichkeit eines zivilen Studiums mit individuell angepassten Präsenzphasen parallel zum Spitzensport aufzunehmen.

Mit dem Fokus auf den Sport, aber auch auf die „Kariere nach der Karriere“ offeriert die Bundeswehr somit ein breites Angebot, um die Herausforderungen des Leistungssports hervorragend meistern zu können.

Ronald Verch

Junioren wahren Chance auf JWM-Teilnahme

Am Athletiktest des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) als Ausgangswert zu den nachfolgenden Qualifikationsrunden für die Teilnahme an den diesjährigen Junioren-Weltmeisterschaften beteiligten sich am ersten Märzwochenende in Kienbaum 117 NachwuchssportlerInnen aus zehn Landesverbänden des DKV. Darunter auch 20 Nachwuchskanuten, die am Bundes-/Landesstützpunkt des Trägervereins  KC Potsdam im OSC trainieren.

Sieben der Potsdamer haben sich bereits mit ihren Testergebnissen von Kienbaum eine gute Position für einen  aussichtsreichen Platz in der Rangliste ihrer Kanu-Disziplin geschaffen. Das betrifft vor allem bei den Canadierfahrern Fabien Schatz und Isabelle Zanin, sowie von den KajaksportlerInnen Martin Hiller, Jonas Schmitt und Leonard Busch sowie Katharina Diederichs und Stine Noack.

Aber auch Florian Köppen, Tom-Lucas Hinz (beide Kajak) und Patricia Schwarz (Canadier) könnten noch  im Ergebnis  hervorragender Leistungen bei den Qualifikationswettkämpfen im Boot weitere Plätze in der Rangliste gut machen.

Günter Welke

Temperaturen unterirdisch – Leistungen herausragend

Eine alte Kanuweisheit sagt: Kanuten werden im Winter gemacht! Das gilt auch für unsere Jüngsten. Am vergangenen Samstag konnten sie im Rahmen der D-Kaderüberprüfung zeigen, wie gut sie trainiert haben. Einige überzeugten mit herausragenden Leistungen –manche aber nur an Land!

Es ist kalendarisch Frühling und auch unsere Jüngsten sollen nach vielen Wochen und Monaten des reinen Athletiktrainings nun wieder aufs Wasser gehen. Eigentlich. Leider geht der Winter in diesem Jahr in die Verlängerung, so dass der Templiner See auch in der zweiten Hälfte des März noch teilweise mit Eis bedeckt und an ein Bootstraining unserer jüngsten unter diesen Bedingungen nicht zu denken war.

Dies hatte auch Einfluss auf die halbjährliche D-Kader-Überprüfung am 24. März im Potsdamer Luftschiffhafen. Werden bei diesem Leistungstest unserer Nachwuchssportler von den Schülern B bis zu den Junioren sonst Paddel- und Athletikleistungen zur Einordnung in den Landeskader (D-Kader) abverlangt, so brauchten die Zehn- bis Zwölfjährigen diesmal nicht für die obligatorischen 250 und 2000m-Fahrten in ihren Einer steigen. Während es den A-Schülern (Altersklasse 13-14 Jahre) freigestellt war, ob sie aufs Wasser gehen, mussten die Jugendlichen (Altersklasse 15-16 Jahre) sowie die Junioren (Altersklasse 17-18 Jahre) am Vormittag auf dem Eiswasser zeigen, wie gut sie im Winter trainiert haben.

Der Athletikteil, bestehend aus einem Kraftausdauertest, je 2 Minuten Bankziehen und Bankdrücken bzw. dem Gewandtheitslauf bei den Jüngsten, Kugelschocken, 30m-Sprint mit fliegendem Start sowie dem 800m-Lauf bei den Mädchen bzw. 1500m-Lauf bei den Jungs, wurde am Nachmittag dann wieder von allen StarterInnen absolviert.

Aus Potsdamer Sicht konnten sich besonders Justine Böttcher (Canadier, Jahrgang ’04), die Canadierfahrer Erik Etlich, Hannes Müller (beide Jahrgang ’04) und Florin Bang (Jahrgang ‘03) sowie die Kajakfahrer Max Anders und Anton Winkelmann (beide Jahrgang ’03) mit besonders guten Leistungen hervortun. Alle schafften es, mehr als 100% der geforderten D-Kader-Norm zu erzielen und gehen somit gestärkt in die neue Saison.

Wir gratulieren allen AthletInnen zum Erreichen des D-Kaders und wünschen ihnen für die Saison 2018 maximale Erfolge. Die Grundlagen sind gelegt.

Ronald Verch

nochmal Bootsgeflüster…aber aus fremder Feder: Annika Loske über ungewöhnliche Partner beim Training in Florida

Endlich Sonnenschein und Wärme. Mit diesen Gedanken stieg ich in das Flugzeug Richtung Melbourne, Florida. Es war mein erstes Trainingslager in den Vereinigten Staaten. Enttäuscht wurde ich nicht. Dreieinhalb Wochen Sonnenschein erwarteten meine Teamkameraden und mich. Die langen Kleidungsstücke blieben somit weitestgehend im Koffer.

Erschöpft kam ich an einem Montagabend im Februar an. Wir Canadier-Damen wurden von unseren sehr freundlichen und hilfsbereiten ‚Gasteltern‘ empfangen. Unser Haus war direkt am Wasser. Die Boote, die wir einen Tag später abholten, konnten somit direkt im Garten gelagert werden. Ein zu spät kommen zur Wassereinheit war dadurch so gut wie unmöglich.

Ungewohnt für mich war, dass jede Disziplingruppe ihr eigenes Haus hatte und weitestgehend unabhängig von den Anderen lebte. Die Canadier-Herren waren die Einzigen in unmittelbarerer Nachbarschaft. Dies war für uns ein großer Vorteil, da sie uns häufiger mit dem Auto mitnahmen.

Neue Erfahrungen gab es auch auf dem, beziehungsweise im Wasser zu sammeln. So konnten wir beim Paddeln Delfine und Manatees (Rundschwanzseekühe) beobachten. Immerhin kann eine Manatee die beachtliche Körperlänge von 2,5 bis 4,5 m erreichen. Mir wurde die Ehre zuteil, gleich mit einer zu baden, als diese von unten gegen mein Boot kam. Nach einer kurzen Panikattacke aus Respekt vor eventuell aufkreuzenden Alligatoren konnte ich mich jedoch schnell beruhigen.

Beim Wind dagegen sah es durchaus mal anders aus. Auf dem Banana River hatten wir sehr häufig mit einer Seitenkante zu kämpfen. Dort begegneten uns auch Sportler anderer Nationen, wie zum Beispiel die kanadischen Canadier-Damen. Unsere Trainingsgruppen schlossen sich für ein paar Trainingseinheiten zusammen. So fuhren wir mit ihnen zusammen einmal GA1 oder sprinteten.

Vom Training erschöpft, freute ich mich besonders auf die halbfreien Nachmittage. Diese nutzten meine Trainingsgruppe und ich meist, um die Umgebung genauer anzugucken. So entspannten wir am Strand, es wurde eine kleine Shoppingtour gestartet oder ein Freizeitpark unsicher gemacht.

Letztendlich gingen die dreieinhalb Wochen dann schneller vorbei als gedacht. Dies kam wohl durch die neu gewonnenen Eindrücke. Besonders angetan bin ich dort von den Menschen. Sie wirken auf den ersten Eindruck sehr offen und freundlich. Es ist dadurch recht leicht, mit ihnen in ein Gespräch zu kommen. Neben den warmen Temperaturen werde ich das in Deutschland vermissen.

Und nicht vergessen:

Himmelfahrt 2018

Wir starten mit allen Interessierten am 10. Mai um 10.00 Uhr an der Kanuscheune zur obligatorischen Paddeltour um die Insel Hermannswerder.  Ab 11:30 Uhr heißt es dann Entspannung und Erholung (von der „körperlichen Betätigung“) bei gutem Wetter, leckerem Essen und tollen Gesprächen.

Anmeldungen bitte per Mail bis zum 27. April mit der Anzahl der Personen an:

Achtung: Kinder unter 12 Jahre bitte extra ausweisen. Anzahl Nichtschwimmer bitte auflisten.